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Mark Read
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Alles außer Sprachkritik #11 - Die 115 nervigsten Arten, einen Link anzupreisen

Mal angenommen, ich würde an dieser Stelle behaupten, ich wüsste die besten acht Methoden, mit denen man binnen eines Monats eine Million Euro verdienen kann – ich könnte mich vor Interessenten kaum retten. Spannend wäre dann allerdings die Frage, ob der Hype genauso amtlich wäre, würde ich behaupten, ich wüsste die besten sechs, vier, drei oder achtundzwanzig Methoden, um sehr schnell sehr viel Geld zu verdienen. Vermutlich schon. Denn egal, welche Zahl ich einsetze: Die Tatsache, dass überhaupt eine Zahl da steht, legt schon nahe, dass ich mich in der Thematik gut auskenne. Und dass ich weiß, wie ich mein Wissen unters Volk bringe. Über dieses Talent verfügen aber auch außer mir scheinbar immer mehr Menschen.

Da im Internet-Zeitalter die Zahl derer, die davon überzeugt sind, die einzig gültige Wahrheit zu kennen, exponentiell zugenommen hat, quillt das Netz seit einigen Jahren über vor unwiderlegbar klingenden Zusammenfassungen wie: "Die 8 besten Zitate von Zlatan Ibrahimovic", "Die 11 Bücher von Dieter Bohlen, die jeder gelesen haben sollte", "Die 119 spannendsten Folgen von 'Verbotene Liebe'" und so weiter. Sprachlich ist das ebenso geschickt gemacht wie nervtötend. Denn wie oben erwähnt ist die Zahl im Linktitel pure Willkür des Verfassers und für den eigentlichen Inhalt der Seite völlig unbedeutend. Der eine hat acht Zitate von Zlatan gesammelt, die er oder sie für besonders genial hält. Ein anderer könnte fünfzehn zusammensuchen, ein schwedischer Fußballexperte möglicherweise hundert. Einen Absolutheitsanspruch hat niemand. Was auf der einen Seite ein netter Gedanke sein mag – nämlich "Ich suche Euch aus der unübersichtlichen Fülle von Informationen im Internet das aus meiner Sicht wichtigste zusammen" – bekommt schnell einen wichtigtuerischen Anstrich, wenn es in plakative Sätze gepackt wird. Hätte ich die Muße dazu, könnte ich als Beleg die einhunderfünfzehn nervigsten Arten aufführen, einen Link anzupreisen. Mache ich aber nicht - ha!

Festzuhalten bleibt schließlich: Wer über wirklich gutes und wichtiges Wissen verfügt und dieses unter die Leute bringen will, muss die Anzahl seiner Tipps nicht in den Vordergrund stellen. Eine Zahl macht schließlich noch keinen Sommer. Und erst recht nicht sagt sie über die Qualität der Tipps irgendetwas aus. Leute, die sofort auf einen Link klicken, der "Die 11 besten Schreibtipps für Autoren von Sprachkritik-Kolumnen" versprechen, klicken auch auf Links von heftig.co. Und was dann passiert, ist wirklich unglaublich!

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