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Mark Read
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Kurzgeschichten - oder: die Frage nach der Länge

So oft kommt es ja (noch) nicht vor, dass Menschen aus meinem nächsten Umfeld meine Geschichten lesen. Aber wenn es dann doch mal passiert, folgt neben dem unvermeidlichen Lob - von dem ich mir einrede, dass es nicht ausschließlich der Höflichkeit geschuldet ist - meist die Frage: "Wann schreibst du denn mal etwas längeres, einen Roman vielleicht?". Ja, wann denn eigentlich? Als ob das etwas wäre, das man mal so nebenbei macht.

Weil Länge nicht alles ist

Es hat schon einen Grund, warum ich ausschließlich Kurzgeschichten und kurze Erzählungen schreibe. Mein längster Text, die groteske Krimi-Erzählung "Der Andere", bringt etwa 12.000 Wörter auf die Waage. Das ist im Vergleich recht wenig. So etwa die Länge der Einleitung eines durchschnittlichen, 800 Seiten dicken, Fantasy-Schmonzetten-Schmökers, der bei Karstadt zwischen Unterwäsche und Saftmixer im Regal steht. 12.000 Wörter, das hätte J.R.R. Tolkien nicht einmal ein müdes Lächeln abgerungen. So lange brauchte der schon, um die Pfeife im Mund von Bilbo Beutlin zu beschreiben. Ja, es ist nun einmal so, dass sich die meisten Autoren, beileibe nicht nur die Größten der Großen, leicht damit tun, viel zu produzieren. Auf mich trifft das nicht zu.

In der Tat schreibe ich vor allem aus zwei Gründen keinen Roman mit 100.000 Wörtern. Der eine ist die Zeit, die ich nicht habe. Beziehungsweise die Geduld, die es nun einmal braucht, wenn man sich über Monate hinweg mit einer Thematik beschäftigt, und über die ich offensichtlich nicht verfüge. Der andere Grund ist, dass ich noch kein Thema gefunden habe, das sich in ein umfangreiches Werk ausarbeiten lässt. Ideen für Geschichten gibt es natürlich viele, und es kommen jeden Tag neue hinzu, wenn man mit offenen Augen durch die Stadt geht. Aber eine Idee macht noch keinen Roman.

Ein Herz für Kurzgeschichten

Und außerdem, ich gebe es offen zu, liegt mir die Gattung der Kurzgeschichte. Es macht mir Spaß, mit abruptem Einstieg und offenem Ende zu hantieren, und das Ganze auch noch in einer überschaubaren Länge. Kurz und knackig und atmosphärisch dicht, das mag ich. Hier fällt mir auch das Schreiben meist sehr leicht, wie etwa bei der Geschichte Die Sache mit Raphaela. Obwohl ich privat fast ausschließlich Romane und so gut wie nie Kurzgeschichten lese. Bizarr, ich weiß. Aber sind wir das nicht alle?

Jedenfalls, und das ist üblicherweise auch meine Antwort an diejenigen, die mir die Frage nach dem Roman stellen: Das Fernziel ist es tatsächlich, irgendwann einmal etwas umfangreiches zu schreiben. Vielleicht schaffe ich es in einer kurz-, mittel- oder langfristigen Zukunft, einen Roman anzufertigen. Das wäre schön. Aber dafür muss alles passen. Denn einfach irgend etwas auf 300 Seiten aufblähen, nur um der Länge wegen, das möchte ich nicht. Es sind schon viel zu viele Bäume für belanglose Bücher grotesken Umfangs gestorben. Zu finden bei Karstadt zwischen Unterwäsche und Saftmixer.

Ob kurz oder lang: Eine Übersicht über meine veröffentlichten Texte