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Mark Read
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Lieblingslied: Manic Street Preachers - "Prologue to History"

In loser Folge schreibt der Autor aus persönlicher Sicht über Lieder, die die Welt braucht. Alle Lieblingslieder gibt es hier.


Manic Street Preachers Musikexperten und Musiknerds – zwei Begriffe, die oft synonym zu verwenden sind – wissen selbstverständlich, dass es Bands gibt, deren B-Seiten qualitativ kaum hinter den Liedern auf "richtigen" Alben zurückstecken müssen. Oasis sind so eine Band. Verbraten großartige Songs wie "Acquiesce" und "The Masterplan" einfach mal so als Anhängsel für ihre Singles. Und zwangen so ihre Fans in den 90ern, als man sich Musik noch in physischer Form kaufte, die Maxi-CDs zu erwerben, um in den Genuss zu kommen. An Stelle dieser großartigen Kompositionen hätte so mancher Albumtrack eines Oasis-Albums im Archiv bleiben können. Aber es ist nun mal so, wie es ist. Und die Gallaghers waren beileibe nicht die Einzigen, die bärenstarke Lieder nicht auf ihre Alben, sondern auf Singles packten. Gerade Mitte bis Ende der 90er war es bei britischen Bands mehr oder weniger "en vogue", Maxis mit starken B-Seiten aufzuwerten.

Und schon sind wir bei "Prologue to History" angelangt, einem Hochkaräter, den die Manic Street Preachers als B-Seite auf ihre Hitsingle "If You Tolerate This Your Children Will Be Next" steckten, jener Single, mit der sie 1998 sogar in Deutschland zarte Erfolge feierten. Keine Frage, auf der Single hatte es "Prologue to History" neben dem großartigen Haupt-Song womöglich schwer, sich zu behaupten. Doch auf dem B-Seiten-Album "Lipstick Traces" von 2003, welches er eröffnen darf, zeigt der Song seine ganze Klasse. Selten waren die Manic Street Preachers so raubeinig, direkt und gleichzeitig virtuos unterwegs wie auf "Prologue to History".

Eine Band grüßt ihre Punk-Wurzeln

Ein stakkatohaftes Klavier-Riff eröffnet den Song, ehe die Gitarre dazwischen sägt und das Schlagzeug einen zackigen, tanzbaren Beat reinpfeffert. Und dann der Text, den James Dean Bradfield mehr schreit als singt: Ein Manifest, eine ganz und gar anti-nationalistische Ode des Stolzes auf die Heimat und gegen das Vergessen.
"Remember ethnic cleansing in the highlands / No one says a thing in the middle of Engerland / I'm bruised fruit but still taste so nice / But if you look at me you better look twice / I'm talking rubbish to cover up the cracks / An empty vessel who can't make contact"

Beim Hören dieses Manifests erinnert man sich, dass die Manic Street Preachers in den 1980ern als Punk-Band anfingen, ehe sie einige der größten Rockhymnen ihrer Generation verfassten. Hier erreichen sie das Energielevel ihrer Anfangstage noch einmal mühelos. All das ergibt mehr als die Summe seiner Teile, sondern ein bärenstarkes, echtes Lieblingslied, eines, das oft schmählich vernachlässigt und unterschätzt wird. Man muss kein Musiknerd sein, um "Prologue to History" toll zu finden. Man muss aber wohl einer sein, um es zu kennen. B-Seite und so, ihr wisst schon. Ein wenig schade ist das ja schon.

Hier eine Live-Version von "Prologue to History" vom Glastonbury Festival 1999:

Fotocredit für Artikelbild: Markus Unger / CC BY-SA 3.0