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Mark Read
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Lieblingslied: Noir Désir - "Le vent nous portera"

Ich habe in meinem Leben schon viele zeitlos schöne Lieder gehört. Es sind Songs darunter, die mich schon seit vielen Jahren begleiten und einfach nichts von ihrem Zauber verlieren. Mit manchen verbindet mich etwas, andere sind einfach nur tolle Kompositionen oder – noch banaler – sie gehen einfach gut ab. Von Beatles und Stones über Dave Brubeck, Bob Marley, Compay Segundo und Stevie Wonder bis hin zu NoFX, Pearl Jam, Oasis und den Mad Caddies kommen meine Lieblingslieder aus den verschiedensten Genres. Doch eines sticht mittlerweile deutlich hervor.

Dieses Lied entdeckte ich vor wenigen Monaten durch puren Zufall. Es ist ein Lied von so atemberaubender, schwermütiger Schönheit, dass es mich einfach nicht mehr loslässt, mich an meinem heimischen Computer und auf allen Geräten, die Musik abspielen können, begleitet. Es ist die 2001 veröffentlichte Single von Noir Désir „Le vent nous portera“.

Ehe ich das Video zum Song (siehe unten) per Zufall bei YouTube entdeckte – bei einem anderen Clip wurde es mir am Rand angezeigt und ich habe aus purer Neugierde darauf geklickt – wusste ich über Noir Désir nur wenig. Dass sie eine der erfolgreichsten französischen Rockbands überhaupt sind, war mir bewusst. Doch trotz regem Interesse an Frankreich und an der Sprache hatte ich mich nie aufraffen können, mir etwas von ihnen anzuhören. Ich wusste auch, dass Sänger Bertrand Cantat 2003 im Streit seine Freundin erschlug und dafür ins Gefängnis musste, was de facto das Ende der Band bedeutete.

Zerbrechlich, niedergeschlagen, hoffnungsvoll

Doch diese schlimme Geschichte sagt zum Glück nichts über „Le vent nous portera“ aus. Der Song war in Frankreich die erfolgreichste Single von Noir Désir und schaffte es auf Platz drei der Charts. Wer das Lied hört, weiß sofort, warum. Die sanfte, zerbrechliche Schönheit von „Le vent nous portera“ geht, ohne den Umweg über die Ohren oder das Gehirn zu nehmen, direkt ins Herz. Einzigartig ist die Mischung aus der Niedergeschlagenheit in Cantats Gesang und einem zarten Optimismus, die ich so noch bei keinem anderen Lied gehört habe. Für die positiven Untertöne sorgen die Offbeat-Gitarren, im Übrigen von Manu Chao eingespielt, die einen treibenden und dichten Klangteppich bilden. Das Schlagzeug hält sich dezent im Hintergrund, doch der Rhythmus reißt die gesamten viereinhalb Minuten über nicht ab.

Eigentlich hätte dieses Lied auch bei uns und generell überhaupt auf der Welt ein Hit sein müssen. Aber ich bin froh darüber, dass es nicht so kam und dass mich nur der Zufall darauf gestoßen hat. Ich könnte diesen Song nicht so lieben, hätte ich ihn in Dauerschleife im Formatradio vorgesetzt bekommen, vielleicht noch in einer kastrierten und gekürzten Version, damit er ins dreieinhalb-Minuten-Schema passt. Nein, es ist schon gut so, wie es gekommen ist.

„Le vent nous portera“, auf Deutsch: „Der Wind wird uns tragen“, ist ein Meisterwerk von erstaunlicher Schönheit. Selten hat mich ein Lied so unmittelbar und über einen so langen Zeitraum berührt. Viele Künstler und Bands versuchen immer wieder, mit klischeehaften Balladen von der Stange beim Publikum zu landen. Sie verrennen sich in ihrem Kalkül und vergessen dabei, echtes Gefühl in die Lieder zu investieren. Noir Désir schaffen mit verhältnismäßig einfachen Zutaten – Gitarre, Bass, Schlagzeug, einer arabischen Flöte und Gesang – das Kunststück, Melancholie und Lebensfreude zu verbinden. Musik kann so schön sein.

Hier das Video zu "Le vent nous portera" - ebenfalls ein Meisterwerk.

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