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Mark Read
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Wie Anspruch und Literatur zusammenpassen

Über eine Verkettung von Zufällen, die zu verkettet und zu zufällig ist, um sie hier wiederzugeben, bin ich vor wenigen Tagen über das Portal LiteratPro gestolpert. Und habe mich dort prompt angemeldet. LiteratPro versteht sich als Anlaufstelle für Gedichte und Kurzprosa mit Anspruch. Das klingt jetzt natürlich auf den ersten Blick arrogant und abgehoben: "Tut mir leid, aber ich lese nur Sachen mit Anspruch, höhö" – aber hat in Zeiten des Self Publishing leider eine größere Daseinsberechtigung denn je. Denn es stimmt zwar, dass dank der neuen Möglichkeiten, selbst Bücher oder Geschichten zu veröffentlichen, mehr Literatur zur Verfügung steht als je zuvor. Leider trifft es aber auch zu, dass die Anzahl der nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner erzählten Geschichten dramatisch zugenommen hat. Es sagt eigentlich schon alles aus, wenn erfolgreiche Self Publisher zwischen fünf und zehn Romane pro Jahr veröffentlichen. Richtig: Romane. Pro Jahr. Das klingt nicht nur nach Fließbandarbeit, es liest sich auch so. Hauptsache, alles geht streng nach patentierter Formel, der Anwalt kann am Ende die Sekretärin küssen und mit ihr in ein neues Leben starten. Anders gesagt: Die Schatzkiste an Büchern ist praller gefüllt als früher, aber gleichzeitig war es noch nie so schwierig, dort etwas herauszufischen, das einen zumindest ein wenig überrascht oder zum Nachdenken anregt. Wenn ich nun für meine Geschichten die Behauptung aufstellen, dass sie genau das zumindest versuchen, so klingt das hoffentlich nicht zu abgehoben. Ich bin weit davon entfernt zu behaupten, dass meine Texte, die ja noch nie einem professionellen Lektorat unterzogen wurden, perfekt sind – aber ich denke, ich kann für sie in Anspruch nehmen, dass sie nicht Ware von der Stange darstellen – weder in sprachlicher Sicht noch was ihren Aufbau betrifft. Da Marcel Reich-Ranicki nicht mehr unter uns weilt, kann er mir an dieser Stelle nicht wütend über den Mund fahren. Zum Glück.

Wie ich Anspruch definiere

Um zum Thema "Anspruch" zurück zu kommen: Jeder Leser definiert, genau wie jeder Autor, den Begriff selbst. Der eine findet, anspruchsvolle Literatur muss mindestens narrative Metalepsen und vier Erzählstränge aufweisen, alles andere ist höchstens trivial. Dem anderen reicht es schon als Anspruch, wenn der Anwalt nicht schon nach dreißig Seiten die Sekretärin küsst. Für mich hat Anspruch zunächst einmal etwas mit der Sprache zu tun. Sie muss mich packen, darf weder geschraubt klingen noch zu sehr nach dem Tagebuch einer verliebten Dreizehnjährigen. Die Sprache im Text muss flüssig und lebensnah sein, und frei von Rechtschreibfehlern (nein, das ist leider keine Selbstverständlichkeit). Davon abgesehen erkenne ich eine anspruchsvolle Geschichte daran, dass ich am Ende feststelle, dass ich mit diesem Ausgang nun wirklich nicht gerechnet hätte. Oder dass mich mittendrin eine Wendung in der Handlung kalt erwischt. Einer, der solche Geschichten meisterhaft schreibt, ist José Saramago, dessen Werk ich ja erst vor Kurzem gewürdigt habe. Aber auch Krimis können anspruchsvoll sein, wie der von mir höchst geschätzte und vor wenigen Tagen vollkommen zu Recht mit dem Deutschen Krimipreis geehrte Friedrich Ani beweist.

Jedenfalls, und hier kommt der weite Bogen zurück zum Anfang, versteht sich LiteratPro als Heimat für Gedichte und kurze Prosatexte mit Anspruch. Geschrieben von Hobbyautoren wie mir. Natürlich gibt es auch hier Tippfehler, natürlich ist auch hier manches dabei, wo meine persönliche Definition von "Anspruch" ins Leere geht. Aber das Niveau ist insgesamt doch deutlich höher als auf den großen Self-Publishing-Plattformen wie Bookrix. Daher freut es mich, dass ich einige kurze Texte, und sogar ein Gedicht, dort einstellen konnte. Mit Nachschub ist zu rechnen. Also immer mal wieder dort vorbeischauen – es wird dort sicher auch Texte von mir geben, die auf dieser Seite keinen Platz finden.

Texte aus meiner Feder bei LiteratPro

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