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Mark Read
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Die Frankfurter Buchmesse und ich: Eine große Sache

Ich bin gestern Abend zurückgekommen aus Frankfurt. Da war Buchmesse. Wäre ich für Schlüpfrigkeiten zu haben, würde ich jetzt schreiben: Ich war auf ihr und ich habe jede Sekunde davon genossen. Würde ich aber natürlich nie machen. Ich war also als Besucher bei der Frankfurter Buchmesse, zum ersten Mal übrigens. Mein Besuch hatte nichts mit meinem kürzlich erschienen Sammelband "Zufällige Bekanntschaften" zu tun. Denn obwohl sich das Buch tatsächlich schon einige Male verkauft hat (wofür ich an dieser Stelle virtuell meinen virtuellen Hut lupfen möchte), bin ich noch weit entfernt davon, Einladungen zur Buchmesse zu erhalten, um dort zu lesen oder meinen Namenszug auf die Umschlaginnenseite eines Buches zu kritzeln. Macht aber gar nichts, denn so hatte ich mehr Zeit, die Eindrücke aufzusaugen, die dieses riesenhafte, unbezwingbare, unüberblickbare und hektisch zuckende Ding namens Buchmesse unaufhörlich absonderte.

Menschen auf der Buchmesse

Große Hallen, zufällige Bekanntschaften

Da ist zunächst einmal die pure Dimension der Veranstaltung. Alleine um durch die Hallen 3.0, 3.1 und 4.1 zu laufen, in denen die großen und die kleinen unabgängigen Verlage – und auch die Selfpublishing-Anbieter - ihre Stände aufgebaut haben, bräuchte man vermutlich schon eine halbe Stunde. Unter der Voraussetzung, dass die Hallen leer wären und man ohne Drängeln von einer Seite zur anderen käme. Was an den Besuchertagen der Buchmesse natürlich ein reichlich abseitiger Gedanke ist. Also braucht man länger, viel länger. Denn konstante Fortbewegung ist auf der Buchmesse optional. Es war voll, es war turbulent und vor allem war es viel mehr als ein einzelner Mensch in wenigen Stunden verarbeiten kann. Selbst als brutalstmöglichst literaturaffiner Besucher muss man sich also, alleine der geistigen Verfassung zuliebe, schnell von der Vorstellung verabschieden, alle Stände abklappern zu wollen. Das geht nicht. Macht aber gar nichts. Denn selbst wenn man selektiv an das Erlebnis herangeht, entdeckt man erstaunlich viele gute Bücher, kommt mit interessanten Leuten ins Gespräch, erblickt Gesichter aus Funk und Fernsehen, lauscht aufschlussreichen Interviews mit und Vorträgen von namhaften Autoren und kommt in die Verlegenheit, Denis Scheck die Tür in den Innenhof aufhalten zu müssen, wenn dieser mit verblüffend verbissener Miene an einem vorbei rauscht. Oder es läuft einem die bekannte Buchbloggerin und Verlagsleiterin von Edel, Karla Paul, über den Weg, der man schon seit Jahren bei Twitter folgt. Ja, mir kam der Begriff "Zufällige Bekanntschaften" dabei durchaus in den Sinn. Ich behielt ihn aber für mich.

Bücher, Bücher und außerdem auch Bücher

An den Ständen selbst wird man wenig überraschend von Büchern erschlagen. Bei den großen Verlagen natürlich zum Großteil von Büchern, die man schon aus der Buchhandlung kennt oder über die man viel gelesen hat. Bei den kleineren Verlagen schert man dann aus dem sich langsam und unbeirrbar durch die Gänge schiebenden Strom aus, um sich unbekannte Romane oder Bildbände anzusehen, die entweder durch ihr Cover oder ihren Titel punkten. Hätte ich vor zwei Tagen geahnt, dass es eine großartige Comic-Biographie über den noch großartigeren Karl Valentin gibt? (Nein.) Oder hätte ich, obwohl Bewunderer der Krimis von Friedrich Ani, gewusst, dass bei Droemer Knaur ein Band mit Kurzgeschichten, Monologen und Dialogen aus seiner Feder erschienen ist? (Nö.) Na siehste. Und so wurde die Buchmesse bei allem Stress, bei aller Hektik und trotz ihrer kaum zu begreifenden Größe genau zu dem Ort, als den ich sie mir vorgestellt hatte. Ich habe viel Neues entdeckt. Ich habe nicht selten gestaunt. Und am Sonntag auch einiges eingesackt. Denn am letzten Messetag darf man an den Ständen der Verlage Bücher kaufen. Was ich getan habe. Darunter Neuheiten, aber auch Bücher, die ich schon länger auf dem Schirm hatte wie zum Beispiel "Blasmusikpop" von Vea Kaiser oder "Vor dem Fest" von Sasa Stanicic.

Und was ist jetzt mit meinem eigenen Buch? Tja, das hat es, obwohl ich privat da war, tatsächlich doch auf die Buchmesse geschafft. Jemand hat ein Exemplar von "Zufällige Bekanntschaften" auf dem Cafétisch im Selfpublisher-Bereich, Halle 3.0., liegen lassen. Wurde mir zugetragen. Habe ich also gerüchteweise gehört. Wer es mitgenommen hat? Woher soll ich das wissen? Ob ich mich freuen würde, das zu erfahren? Gegenfrage: Ist der Papst katholisch? Und um nach so vielen Fragen diesen Erlebnisbericht mit einem Aussagesatz abzuschließen: Es war eine sehr interessante und, ja, auch schöne Erfahrung. Ich wage die Prognose, dass die Frankfurter Buchmesse mich nicht zum letzten Mal gesehen hat. Und ich sie.